(Problemhunde) schizophrenie


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Die folgende Nachricht zum Thema stammt von kerstin, kerstin.taschner@yahoo.es, 22. Dezember 11 um 17:35 Uhr:

Antwort auf einen Beitrag von 2002

Hallo,
: ich hole etwas weiter aus um die Umstände einigermaßen darzustellen.

: Seit einigen Monaten betreuen wir als Paten (bisher ohne Hundeerfahrung) einen Bernersenndoggenmix, unkastrierter Rüde aus dem Tierheim. Der Hund ist knapp über 3, sitzt bereits seit 2 Jahren im TH. Seine Erziehung läßt zu wünschen übrig aber er ist eigentlich ein lieber umgänglicher Kerl.

: Im Mai wurde er überraschend an ein Ehepaar vermittelt. Nach 2 Wochen wurde er wieder zurückgegeben weil er den Besitzer aus heiterem Himmel attackiert und gebissen haben soll.
: Wir konnten uns das nicht so recht vorstellen und haben uns entschlossen den Hund zu übernehmen. Ich habe ihn den ganzen Juni zu sämtlichen Öffnungszeiten betreut und bin ohne Auffälligkeiten mit ihm "Gassi" gegangen.
: Zwischendurch war er mal zwei Tage bei uns. Da kam es zum ersten Ausrutscher. Erst ging er beim Laufen auf zwei Rüden los (normalerweise ignoriert er sie oder begrüßt sie sogar freundlich) versuchte unsere beiden Katzen zu jagen - im Haus - obwohl er sie freundlich begrüßt hatte und hat uns beide nacheinander heftig angeknurrt - sich nach einem strengen Verweis aber auf seinen Platz verzogen.
: Nach diesem Vorfall haben wir uns entschlossen noch etwas zu warten und parallel eine Angsttherapie mit ihm angefangen (auf Anraten der Hundetrainerin des TH).
: Diesen Montag haben wir ihn dann geholt. Am Dienstagabend hat er mich angefallen und ziemlich heftig verbissen. Gottseidank war mein Mann im Haus und konnte mir helfen. Selbst zu zweit konnten wir ihn nur mit Mühe zurückhalten bis er sich beruhigt hatte. Nach wenigen Minuten war er wieder absolut normal kam zu mir und hat mir die Hände abgeschleckt und gewedelt.
: Wir haben entschieden ihn nicht gleich wieder zurück zu bringen sondern es nochmals zu versuchen. Am Dienstag nach der Arbeit habe ich ihn bei meinem Mann abgeholt wo er tagsüber ist und bin mit ihm gelaufen. Daheim hat er dann sein Futter bekommen, Fellpflege und Streicheinheiten. Ehrlicherweise muß ich sagen daß ich mich nicht 100% sicher gefühlt habe – wahrscheinlich hat er das gespürt. Jedenfalls ist er wieder auf mich losgegangen. Ich habe ihn rechtzeitig am Brustgeschirr erwischt und versucht ihn auf Beißabstand zu halten. Ich habe ihm mit einem Pfefferspray mehrfach ins Gesicht gesprüht (nach der Attacke vom Vortag hatte ich das griffbereit gestellt) und konnte ihn damit soweit ablenken und außer Kraft setzen daß ich ihn in den Garten zerren konnte. Das gleiche Spiel wie am Vortag. Nach wenigen Minuten stand er wedelnd an der Terrassentür. Eine Mitarbeiterin des TH die mein Mann zwischenzeitlich verständigt hatte, hat ihn abgeholt. Er war wieder total lieb und freundlich. Sie sagte uns am nächsten Tag daß er sich wahnsinnig gefreut hat wieder in seine Box und zu seiner "Mitbewohnerin" zu kommen.
: Wir sind beide ziemlich durcheinander und würden gerne wissen ob es Möglichkeiten gibt ihm noch zu helfen. Wir haben das Gefühl er ist einfach schon zu lange im TH und hat es als sein Daheim akzeptiert wo er sich auch sicher fühlt. Nach dem Gasseigehen gehr er immer gern wieder zurück. Auch war es nach beiden Attacken als ob man einen Schalter umlegt. Das haben uns auch die Vorbesitzer bestätigt. Während der Angriffe waren seine Augen richtig starr und man hatte den Eindruck ihn gar nicht erreichen zu können. Und dann als ob es klack macht – ist er wieder da. Im Tierheim hat er noch nie auffälliges Verhalten, beißen oder sonstige Aggression gezeigt außer daß ihm sein Futternapf heilig ist und er Angst vor dem Tierarzt hat. Eine Trennung von „seiner“ Zellengenossin erträgt er wohl auch nur schlecht. Einige seiner Unarten sind sicher mit konsequenter Erziehung zu beheben. Können diese „Aussetzer“ auch behoben werden? Bei einem Menschen könnte man von Schizophrenie ausgehen - gibt es das auch bei Hunden? Auch die Mitarbeiter des TH und der Tierarzt sind ratlos. Nochmals vermittelbar ist er nach diesen Aktionen wohl auf lange Zeit nicht. Zwischenzeitlich habe ich Angst vor ihm (leider auch vor anderen Hunden). Ein weiterer Versuch ist sicher nicht ratsam, da ihn meine Unsicherheit wahrscheinlich sogar noch provozieren würde. Da wir nicht möchten daß er den Rest seines Lebens im TH verbringen muß oder gar schlimmeres geschieht, sind wir gerne bereit Behandlungen oder eine Therapie und auch Kosten für eine eventuelle Pflegestelle im Rahmen unserer Möglichkeiten finanziell zu unterstützen um ihm noch eine Chance zu geben. Wir sind für jeden ernstgemeinten Rat dankbar.
: Vielen Dank
: Manu

Hallo Manu,
es ist zwar schon eine Weile her, aber wir haben sehr sehr aehnliches erfahren....
Unser Willi (46kg Mischling aus Mastino und Golden Retriever und und und) hat die selben "Ausraster".
Ausgesetzt worden und von mir mitgenommen.
Sprich die Vorgeschichte ist unklar.
Wir sind seit einiger Zeit in Therapie, es handelt sich um dissoziatives Identitaetssyndrom.Gut bei Wikipedia nachzulesen.
Leider noch sehr wenig erforscht, aber durch sehr schlimme Erfahrungen in der Kindheit hervorgerufen.
Der Mensch/ Hund geht aus seiner Persoenlichkeit raus, um die schlimme Situation, in der er sich befindet ertragen zu koennen.
Wie Du beschreibst, ist es, wie wenn man einen Schalter umlegt.
Der Blick ist starr, der Hund ist wie in einer zweiten Persoenlichkeit.
Kurz darauf, wenn der Schalter wieder "umgelegt" ist, wedelt er und schleckt er.
Unser Tierpsychologe ( wir sind in Spanien) hat es nach langer Zeit herausgefunden.
Wir arbeiten mit Clicker( sind noch im Anfangsstadium).
Das heisst, wenn man die ersten Anzeichen merkt( Hund ist nicht ansprechbar und starr auf etwas fixiert) Clicken um ihn "aufzuwecken".
Die Therapie wird durch Tabletten begleitet:
1.Fluoxetina( damit die Impulsivitaet gemindert wird, sprich der Hund ersteinmal"durchatmet" bevor er zuschnappt)
2.Zylkene( gegen Stress auch bei Reisen).

Wir hoffen, dass wir durch die Arbeit mit ihm ein Zusammenleben ermoglichen.
Auf unsrer Finca leben noch zwei andere Hunde und eine Katze.
Liebe Gruesse Kerstin




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